Online-Fotobücher – eine große Hilfe bei der Trauerarbeit

Meine liebe Freundin Samira ist verstorben. Viel zu früh und nach einem grauenhaften Krebsleiden. Bei der Beisetzung im Wald – sie war immer gern in der Natur – traf ich viele ihrer Freunde, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Sehr sympathische Leute, die Samira aus ganz anderen Lebensabschnitten kannten. Beim Erzählen und gemeinsam Erinnern entstand die Idee, zusammen ein Fotobuch zu erstellen, das die vielen großartigen Facetten unserer wunderbaren Freundin sichtbar macht.

Das ist nun bald zwei Jahre her, und leider ist das geplante Fotobuch über Samira und ihr Leben nie Wirklichkeit geworden. Vor allem, weil es in der Praxis zu kompliziert war und keiner „das Projekt“ so richtig in die Hand nahm. Ich kann mir gut vorstellen, dass es vielen so geht und diese Art von Problem in unserer stetig mobiler werdenden Welt immer häufiger vorkommt.

Mit Bildern auf Zeitreisen gehen

Generell sind Bilder für den Abschieds- und Erinnerungsprozess unverzichtbar – darin sind sich auch alle Fachleute einig. Zum Beispiel sprechen die Soziologen Thorsten Benkel und Matthias Meitzler in diesem Zusammenhang von „gedanklichen Zeitreisen“, zurück in den Augenblick, in dem die Bilder entstanden sind. Damit, so sagen die Forscher, „behüten sie bereits vergangene Erfahrungen als eine Art abrufbaren Träger von Erinnerungen und ‚beweisen‘ die Welt von gestern, in der wir lebten“. Das mag etwas intellektuell formuliert sein, entspricht jedoch genau unserem Erleben.

Eine der besten Möglichkeiten, unsere persönlichen Bild-Erinnerungen in ein konkretes „Erinnerungsstück“ zu verwandeln, ist das Fotobuch. Es ist nicht nur praktisch und lädt zum gemeinsamen „Drin-Stöbern“ ein, vielmehr begleitet und unterstützt es auch den individuellen Trauerprozess. Denn Trauerarbeit ist immer Erinnerungsarbeit. So sprechen die Trauerbegleiterinnen Madita van Hülsen und Anemone Zeim von einem Fotobuch als der einfachsten Form kreativer Erinnerungsarbeit: Es kann verschiedene Lebensabschnitte bündeln und abbilden, ohne dabei aufdringlich zu sein. Es kann weggelegt und für eine Weile vergessen, bei Zeiten jedoch wieder hervorgeholt und ganz neu betrachtet werden.

Das Erinnerungsbuch: aus Bildern werden Erinnerungsschätze

Genau hier haben wir mit unserem Team bei Rapid Data angesetzt und versucht, eine Fotobuch-Software zu realisieren, die direkt in den „virtuellen Ort der Erinnerung“ eingebunden ist. Eine, die speziell für diesen Zweck gemacht ist und alle Möglichkeiten zur Verfügung stellt, die ich mir als Trauernder wünsche.

Wir haben sie ganz schlicht „Das Erinnerungsbuch“ genannt: Eine Fotobuch-Software, die direkt von der Gedenkseite aufgerufen wird und es der gesamten Trauergemeinschaft erlaubt, ein individuelles Erinnerungsbuch zu gestalten – gemeinsam oder jeder für sich. Dabei kann man alle Bilder verwenden, die vorher auf der Gedenkseite gesammelt wurden und natürlich auch noch eigene aus beliebigen Quellen hinzufügen. Sogar der Trauerdruck und die virtuell entzündeten Kerzen und Kondolenzen der Gedenkseite sind ganz einfach per Mausklick in das Buch übertragbar. Und ein bereits erstelltes Erinnerungsbuch kann beliebig nachbestellt und an andere „geteilt“ werden.

Unterstützt und inspiriert wird der Trauernde durch schöne Gestaltungsvorlagen, Grafiken und Hintergrundbilder, die ganz auf den Kontext des Abschiednehmens abgestimmt sind. Als Bestatter, der die Software über die eigenen Gedenkseiten anbietet, hat man sogar die Möglichkeit, der Trauergemeinschaft eigene Bilder, wie z.B. regionale Motive zur Verfügung zu stellen.

Aus meiner Sicht als Betroffener freue ich mich sehr, dass dieses Modul endlich einsatzbereit ist. Die Chancen sind nun dramatisch gestiegen, dass zum zweiten Jahrestag der Beisetzung meiner Freundin Samira tatsächlich ein kollektives Lebens-Erinnerungsbuch das Licht der Welt erblickt.

Weitere Informationen unter Tel. +49 451 619 66-0

Autor: Christian Meier

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